Offener Brief: “ Auch ich habe mich auf die Straße gesetzt!“

Wir danken David für sein #dazusetzen mit einem offenen Brief an den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Sehr geehrter Herr Jung,

mein Name ist David. Ich bin einer von vielen Menschen, welcher sich am 2. Mai 2016 auf die Straße begeben hat, um den Menschen von Legida zu zeigen, dass sie nicht das Volk sind, um ihnen zu zeigen, dass wesentlich mehr Menschen eine vollkommen andere Sicht auf die Dinge haben und vor allem das Leipzig eine Stadt ist, die weltoffen ist und eine Heimat für jeden Menschen sein will und auch sein kann.

Und ja, auch ich habe mich auf die Straße gesetzt und habe mit einer friedlichen Sitzblockade verhindern wollen, dass Legida ihren Spaziergang vorführen kann. Jedoch bin ich keiner der 163 Menschen, welche momentan kriminalisiert werden. Warum nicht? Weil ich auf der anderen Straßenseite saß. Da könnte ich jetzt sagen, dass ich Glück hatte und froh sein kann. Bin ich aber nicht. Denn zeitgleich haben sich 163 Menschen auf der anderen Straßenseite dazu entschlossen, das Selbe zu tun. Von diesen Menschen wollen Sie und die Justiz des Freistaates Sachsen, dass sie insgesamt mehr als 50.000 Euro an Bußgeldern zahlen.

Das eigentlich Schlimme ist, dass wir es trotz der vielen Menschen nicht geschafft haben den Spaziergang von Legida zu verhindern, da diese einfach über den Fußweg an der Seite an der Sitzblockade vorbei geführt wurden.

Dennoch war es einer der letzten Abende an dem Legida gelaufen ist und dies ist nicht zuletzt vor allem der Verdienst von vielen Tausenden von Menschen, welche sich immer, wenn Legida spazieren ging, ihnen in den Weg gestellt haben.

Dass Legida nicht mehr läuft, freut nicht nur viele Leipziger, sondern auch die Stadt brüstet sich damit, dass Legida nicht mehr läuft. Zeitgleich werden aber Menschen zu Kriminellen erklärt und zu Kasse gebeten, welche an diesem Erfolg friedlich mitgearbeitet haben. Für mich ist dies Paradox.

Es ist eine negative Botschaft an alle Menschen, welche sich an friedlichen Protesten beteiligen und Menschen mit einem verschobenen Weltbild, Hass in den Herzen und Köpfen und fremdenfeindlichen Ansichten in den Weg stellen und diesen keinen Raum bieten wollen. Es wird Menschen abschrecken, sich auf die Straße zu begeben und zu protestieren, wenn immer die Gefahr besteht, dass man am nächsten Morgen Post bekommt in welcher man dazu aufgefordert wird Bußgelder zu zahlen. Und dies, obwohl die offizielle Seite sich mit dem Ergebnis des Protestes doch sehr zufrieden zeigt.

Ich hoffe darauf, dass diese Anzeigen doch noch fallen gelassen werden.

Außerdem können Leipzig und Sachsen doch mehr als genug Geld dadurch sparen, dass nicht mehr jeden Montag die Innenstadt von Polizeihundertschaften abgesichert werden muss. Was sind im Vergleich dazu 50.000 Euro von Menschen, die diese Strafe nicht verdient haben?

Mit freundlichen Grüßen

David

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